Die Batteriespeicherung ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente der kommerziellen Solarenergie – und eines der am strengsten regulierten Brandschutzsysteme. Mehrere aufsehenerregende BESS-Brände in den Jahren 2018–2022 veranlassten Aufsichtsbehörden und Versicherer, die Anforderungen deutlich zu verschärfen. Das Verständnis des thermischen Durchgehens und der zu seiner Verhinderung erforderlichen Schutzschichten ist heute für jeden Entwickler, EPC oder Anlageneigentümer, der mit BESS arbeitet, von entscheidender Bedeutung.

Was ist Thermal Runaway?

Thermal Runaway ist ein sich selbst beschleunigender Erwärmungsprozess in einer Lithium-Ionen-Batteriezelle. Wenn eine Zelle ihre sichere Betriebstemperatur überschreitet – typischerweise ausgelöst durch Überladung, internen Kurzschluss, äußere Hitze oder mechanische Beschädigung – erzeugen exotherme chemische Reaktionen im Inneren der Zelle schneller Wärme, als die Zelle sie abführen kann. Die Temperatur steigt schnell an, was in einer positiven Rückkopplungsschleife zu weiteren Reaktionen führt.

Bei Zelltemperaturen über etwa 80–100 °C (je nach Chemie unterschiedlich) beginnt die Zersetzung der Festelektrolyt-Interphasenschicht (SEI). Oberhalb von 130–150 °C führt das Schmelzen des Separators zu internen Kurzschlüssen. Oberhalb von 180–270 °C (abhängig von der Kathodenchemie) wird Sauerstoff aus der Kathode freigesetzt und entzündet Elektrolytdampf. Das Ergebnis ist ein heftiger, schnell ausbrechender Brand, der mit herkömmlicher Wasserlöschung nur äußerst schwer zu löschen ist.

Die Ausbreitung des thermischen Durchgehens von Zelle zu Zelle – wobei die Wärme einer ausgefallenen Zelle benachbarte Zellen auslöst – ist der gefährlichste Ausfallmodus in einem dicht gepackten BESS. Der Ausfall einer einzelnen Zelle kann sich innerhalb von Minuten auf ein ganzes Modul, Rack oder einen Container auswirken.

LFP vs. NMC: Chemie ist wichtig für die Sicherheit

Die Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) ist für die stationäre Lagerung deutlich sicherer als NMC (Nickel-Mangan-Kobalt):

Alle kommerziellen BESS-Produkte von Sungrow verwenden LFP-Chemie – im Einklang mit dem Branchenkonsens, dass LFP die geeignete Chemie für stationäre, kommerzielle und großtechnische Speicher ist, bei denen Sicherheit und Lebensdauer Vorrang vor Energiedichte haben.

Tiefenverteidigung: die vier Schichten des BESS-Brandschutzes

Schicht 1: Schutz auf Zellebene (das Batteriemanagementsystem)

Das BMS überwacht die Spannung, Temperatur und den Ladezustand jeder Zelle in Echtzeit. Es erzwingt Betriebsgrenzen – maximale/minimale Ladespannung, Entladeabschaltung, Temperaturgrenzen – und trennt die Batterie, wenn ein Grenzwert überschritten wird. Ein gut implementiertes BMS ist die wirksamste Einzelsicherheitsmaßnahme in einem BESS.

Schicht 2: Gasdetektion und Frühwarnung

Beim thermischen Durchgehen werden Fluorwasserstoff (HF), Kohlenmonoxid und flüchtige organische Verbindungen freigesetzt, bevor ein Brand entsteht. Gasfrühwarndetektoren im Inneren des Batteriegehäuses können diese Vorläufergase Minuten vor der Zündung erkennen und eine automatische Abschaltung und einen Alarm auslösen. IEC 62933-5-2 und NFPA 855 erfordern die Gaserkennung in kommerziellen BESS-Gehäusen. Die frühzeitige Gaserkennung ist nach dem BMS wohl die wichtigste Sicherheitserweiterung – Es bietet Zeit für eine automatische Abschaltung, bevor sich ein thermisches Durchgehen ausbreitet.

Schicht 3: Brandbekämpfung

Lithiumbrände können nicht mit herkömmlicher CO₂- oder Trockenpulverlöschung gelöscht werden – Wasser ist erforderlich, um die Zellen unter den Schwellenwert für eine fortgesetzte exotherme Reaktion abzukühlen. Die moderne BESS-Brandbekämpfung nutzt:

Schicht 4: Standort- und Trennungsabstände

NFPA 855 und IEC-Standards legen Mindestabstände zwischen BESS-Einheiten sowie zwischen BESS und bewohnten Gebäuden fest. Containerisiertes BESS für den Außenbereich (die häufigste kommerzielle Konfiguration) erfordert normalerweise:

Was Sie Ihren BESS-Lieferanten fragen sollten